Kriminalschwerpunkt Friedrich-Ebertstraße und Charlottenstraße

Ein mitten in Düsseldorf von Straftätern beliebter Bereich hat sich langsam aber stetig zu einem Kriminalschwerpunkt entwickelt. Zwischen der Friedrich-Ebertstraße und der Charlottenstraße, um die Haltestelle der U-Bahn-Station Oststraße, treffen Menschen aus verschiedensten Kulturen und Nationen aufeinander. Hier wird massiv mit Drogen gehandelt, das bestätigte die Düsseldorfer Polizei. Anwohner und Geschäftsleute stöhnen. Regelmäßig wird in diesem Bereich eine Gruppe von 10 bis 30 Tatverdächtigen festgestellt, die arbeitsteilig Drogen verkaufen – wie die Polizei einräumt. Und auch die Tatsache, dass die im Umfeld liegenden Callshops als Rückzugsgebiete und Bunker für Drogen genutzt worden ist polizeibekannt. Die Polizei bestätigt: „Durch die Anwohner wird das Verhalten der mutmaßlichen Drogenhändler als vermehrt aggressiv wahrgenommen“. Aber ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wird der polizeiliche Einsatztrupp eingestellt.

Anwohner beobachten Szene seit Jahren

Gabriele Kaffaii äußert sich in einer Mischung von hohem Zorn und Resignation. Die Sprecherin des Initiativ-Kreises der Anwohner und Geschäftsleute rund um die Friedrich-Ebert-Straße, schaut auf eine Entwicklung zurück, die anfangs tolerabel war. Dann kamen langsam täglich eine Vielzahl von Vergehen und Delikten, kriminellen Handlungen hinzu. Kaffaii und Nachbarn schildern was passiert: Wenn eine Streife nach 45 Minuten kommt, „müssen wir erklären“, dass keine Täter mehr vor Ort sind. Kein Wunder, sagt sie. Die weichen allein beim Anblick der Polizei in die U-Bahn-Tunnel aus, teilen sich dort auf und kommen blitzschnell zurück. Die Zahl der Drogendealer habe sich von anfangs drei auf jetzt „Horden“ von 50 entwickelt, berichten die Anwohner. Weibliche Nachbarn würden so bedrängt, dass man nach der Dunkelheit das Haus nicht mehr verlassen könne.

Die Polizei räumt diese Entwicklung ein. Taten dagegen sind behördlicherseits kaum dokumentiert. Durch die Polizei werden angeblich wiederkehrend Kontrollen bzw. Schwerpunkteinsätze durchgeführt. Die Beschwerden der Anwohner würden systematisch erfasst und „Konzeptmaßnahmen entsprechend angepasst“, so die abstrakte Stellungnahme der Polizei. Sprecher Kim Freigang spricht davon, dass Maßnahmen mit Schwerpunkt Friedrich-Ebert-Straße zu einer gewissen Verdrängung von Drogenkonsumenten zum Worringer Platz geführt hätten.

Polizei reduziert Einsatzkräfte

Zu allem Überfluss streicht die Polizei aktuell ihre Segel: Sie löst ihren Drogen-Trupp (E 1) zum 1. September auf. Pressesprecher AndreHartwich bestätigt diesen Verlust. Es gebe „notwendige Umstrukturierungen“. In derenVerlauf werden die Aufgaben des ET 1 von benachbarten Einsatztrupps wahrgenommen.

Die haben bereits jetzt schon heftig zu tun, wie sie den ET 1 an der Charlottenstraße/Oststraße ersetzen will, fragt sich Gariele Kaffaii verzweifelt? Nach jahrelanger Mühe und Arbeit, nach dem Wachsen der Szene hat sie nur einen abgrundtiefen Seufzer: „Die haben uns alleine gelassen!“

Ein Brief an den OB blieb ohne Antwort

Polizeimaßnahmen kann Gabriele Kaffaii nicht bestätigen: Wenn ein Händler festgenommen wird, sehen „wir sein Gesicht nach spätestens zwei Stunden wieder. Kaffaii erzählt, es gebe Unterschriftlisten des Initiativ-Kreises, die zu nichts geführt hätten. Selbst Besprechungen mit der Stadt, der Polizei und der Industrie-Handelskammer hätten nur absurden Ideen ergeben. „Die haben ernsthaft gemeint, wir Anlieger sollten mehr Blumen aufstellen.“ Ihr Appell an Oberbürgermeister Thomas Geisel und Gattin: “Laufen Sie über Nadeln von Drogenspritzen, lassen sich und Ihre Frau von Massen an Bettlern und Schnorrern ansprechen, sich Portemonnaie und Handy stehlen von Zigeuner und Rumänen banden am Bahnhofsvorplatz. Lassen Sie Ihre Frau 5 Meter vor sich gehen und sehen einmal dabei zu wie Ihre Brust angefasst, Ihr nachgepfiffen oder einfach nur im Vorbeigehen auf den Arsch geklatscht wird.“

Die Umgebung der Charlottenstraße kennt die Stadtverwaltung bestens. Sie weist auf örtliche Drogenhilfestellen hin, hat aber keine Zahlen: „Die Landeshauptstadt Düsseldorf hat die Drogenszene selbstverständlich im Blick“, so Stadtsprecher Michael Bergmann und versuche “Auswüchse“ im Rahmen ihrer Möglichkeiten einzudämmen.

„Das hilft uns auch nicht weiter“, entgegnet Initiativ-Sprecherin Gabriele Kaffaii, „die Stadt weiß das alles längst durch unserer Eingaben und Unterschriftenlisten: Es passiert nichts.“

Eberhard Liliensiek

27.08.2019 | 18:35:31

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